Autor: Admin

Die Kinderklinik Beira im Zeitalter der großen Krisen

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Die Klimakrise, die Pandemie und Kriegsfolgen (lokal und global) prägen den Alltag der Menschen in Beira und stellen die Helfer*innen der Kinderklinik und des Waisenheimes vor große Herausforderungen. Dres. Annett Pfeiffer und Konrad Steidel befinden sich aktuell in Mosambik und berichten direkt aus Beira:

„Obwohl die Menschen in Mosambik wenig Verantwortung am Klimawandel tragen, eine Person in Deutschland verbraucht so viel CO2 wie 23 Personen in Mosambik, sind sie schwer vom Klimawandel betroffen.“ Führt die Kinderärztin Dr. Annett Pfeiffer aus, die 16 Jahre in Mosambik tätig war. „Nachdem im März 2019 der Zyklone Idai die Stadt stark verwüstet hat, wurde vieles wiederaufgebaut. Dennoch sieht man auch heute noch überall zerstörte Gebäude und kaputte Dächer, auch auf dem Krankenhausgelände. Vieles konnte bisher nur provisorisch hergerichtet werden, so auch das Dach des Waisenheims. Die kommende Regenzeit wird daher für die Menschen wieder eine große Herausforderung, viele Häuer werden wieder unter Wasser stehen. Das Trauma ist für viele noch sehr präsent, immer wieder wird vom dem so bedrohlichem Zyklon erzählt.“

„In der Coronapandemie führte ein Lockdown ohne soziale Absicherungen sowie die Verlagerung der Kräfte des Gesundheitswesens zu einer Zunahme des Hungers, aber auch der Säuglings- und Müttersterblichkeit“ berichtet Dr. Konrad Steidel, ehemals Leitender Arzt in der Kinderklinik Beira und Mitgründer der Medizinischen Fakultät der Katholischen Universität Beira. „Zudem verschlechterte sich die Lage chronisch kranker Kinder, deren HIV oder Tuberkulosebehandlung beeinträchtigt wurde“.

Aus Mosambik braucht man nicht in die ferne Ukraine zu blicken, um Kriegsfolgen zu spüren. In der Provinz Cabo Delgado im Norden von Mosambik kämpfen seit Jahren islamistische Milizen gegen die Regierung. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht.

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und der Kriege sind sehr deutlich zu spüren. Lebensmittel, Transport und Energie sind ist sehr teuer geworden. Der Preis für den lokalen Transport hat sich seither verdoppelt. Wo früher an den Wochenenden ein lebendiges, Strandleben zu sehen war, ist es jetzt recht ruhig geworden. Während früher viele Eltern ihre Kinder von weit her in die Kinderklinik brachten, kommen jetzt deutlich weniger arme Patienten aus den Dörfern ins Zentralkrankenhaus. Das Überleben zu organisieren, ist eine noch schwierigere Aufgabe geworden, es fehlt an allem. Auch für den Verein sind viele Kosten erheblich gestiegen und die Anpassung der Gehälter ist dringend notwendig.

Im Krankenhaus fehlt es an allen Ecken und Enden. Zum Beispiel funktionieren auf der Intensivstation von 12 Überwachungsmonitoren nur zwei wegen fehlender Ersatzteile. Blutuntersuchungen können nur begrenzt durchgeführt werden.

Im Waisenheim werden zurzeit knapp 100 Kinder betreut. Um einigen Kinder eine neue Lebensperspektive zu eröffnen, startet der Förderverein nun ein neues Projekt: Kinder sollten in einer Familie groß werden. Im afrikanischen Kontext geht die Familie weit über die deutsche Kleinfamilie hinaus, weit entfernte Verwandte gehören klar dazu. Ein weiteres Kind in die Familie aufzunehmen, ist für viele nur aufgrund von wirtschaftlichen Gründen nicht möglich. Dies trifft besonders für die Kinder aus dem Waisenheim zu, da diese oft chronisch erkrankt sind und regelmäßig im Krankenhaus vorgestellt werden müssen, z.B. wegen ihrer HIV Infektion oder die wegen ihrer Entwicklungsverzögerung einer speziellen Förderung bedürfen. Die Idee ist jetzt, diesen Pflegefamilien eine regelmäßige Unterstützung zukommen zu lassen.

Dres Pfeiffer und Steidel erläutern die Hilfe am Beispiel von Aurea:

„Wir haben Aurea, die nach 6 Jahren im Waisenheim nun bei ihrer Tante lebt, besucht. Aurea hat ihre Mutter während ihrer Geburt verloren, und selber einen Hirnschaden davongetragen. Außerdem ist sie HIV infiziert. Die Versorgung von Aurea ist für die alleinerziehende Tante mit 3 eigenen Kindern nicht leicht. Sie verkauft Tomaten und Bananen auf dem lokalen Markt. Um mit Aurea zum Krankenhaus zu kommen muss sie den Verdienst von circa 3 Tagen aufwenden. Physiotherapie und Logopädie ist nicht mehr machbar, es sei denn Aurea kann eine Privatschule besuchen, die Kinder mit besonderen Bedürfnissen fördert, was in staatlichen Schulen nicht möglich ist.“

Für dieses Projekt und all die weiteren regelmäßigen Aktivitäten des Fördervereins, über die Sie Sich auf der Homepage www.foerderverein-beira.de informieren können, benötigen wir weiterhin Ihre Unterstützung, heute noch mehr, als je zuvor.

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Beira Update Oktober 2021

Wie auf der ganzen Welt, so ist auch in Beira/Mosambik die Covid-19 Pandemie noch nicht zu Ende.

Wie viele Menschen in Beira aktuell infiziert sind, lässt sich nur schwer einschätzen. Es gibt längst nicht genug Testmöglichkeiten, um alle Infizierten zu erfassen.

Für die Patienten mit Covid-19 ist ein eigenes Krankenhaus eingerichtet worden, um Infektionen innerhalb des Krankenhauses zu vermeiden. Diese Einrichtung mit 24 Betten ist zurzeit noch zu 50% ausgelastet. Zusätzlich gibt es noch einige Privatkliniken, die auch Covid-Patienten stationär betreuen. In Zahlen lässt sich das Ausmaß der an Covid-19 Erkrankten und Verstorbenen nicht bestimmen, allerdings gibt es viele Familien, die einen Menschen verloren haben.

Bisher wurde das medizinische Personal, die Mitarbeiter in den Schulen, die Polizei, das Militär und die Busfahrer geimpft. Schätzungsweise wurden bisher landesweit 1,2 Millionen Menschen immunisiert. Es leben 24 Millionen Menschen in Mosambik, d.h. nur 5% der Menschen haben einen ausreichenden Impfschutz.

Seit Ende Juli war erneut ein landesweiter „Lockdown“ in Kraft und hat das öffentliche Leben wieder zum Stillstand gebracht. Schulen und Universitäten waren erneut geschlossen. Geschäfte und Märkte mit Lebensmittel blieben geöffnet. Seit dem 30.8.21 hat der Präsenzunterricht an den Schulen und Universitäten wieder begonnen. Es besteht aber weiterhin eine nächtliche Ausgangssperre.

Die sekundären Folgen von Covid-19 sind in Beira unübersehbar und die Arbeitslosigkeit hat noch weiter zugenommen. So haben besonders Handwerker und Arbeiter ihre Anstellung verloren. Wenn die ohnehin schon geringen Einkommensquellen ausbleiben, dann bedeutet das für viele Menschen, dass sie nicht genug zu essen haben. Im Krankenhaus zeigt sich das unter anderem darin, dass die Anzahl von stark unterernährten Kindern zugenommen hat. Im Waisenheim wurden vermehrt Kinder, auch kleine früh- und untergewichtig geborene Babys aufgenommen. Auch dies ist eine indirekte Folge der Corona Pandemie zu werten. Public Health Experten haben schon lange vorhergesagt, dass die Müttersterblichkeit ansteigen wird und die Anzahl der Früh- und Mangelgeborenen zunehmen wird.

Mit dem Lockdown ist es zu weitreichenden Versorgungsengpässen gekommen. Dieses Problem betrifft natürlich auch das Krankenhaus. Es fehlen im Moment viele wichtige Medikamente und Medizinprodukte, u.a. wichtige Antibiotika, Zuckerlösungen und Spritzen.

Aktuell unterstützt der Verein die Kinderklinik verstärkt mit dem Ankauf von essentiellen Medikamenten. Das Waisenheim würden wir auch gerne weitere Hilfen zukommen lassen, da sich auch dort die Lage weiter zuspitzen wird.

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Coronapandemie fordert in Mosambik direkte und indirekte Opfer

In den letzten Monaten berichteten wir, dass die Menschen  in Beira vor allem unter den „indirekten Folgen“ der Pandemie leiden.  Lockdown ohne soziale Absicherung,  Verlagerung von Ressourcen des Gesundheitssystems  von der Betreuung chronischer Krankheite weg und hin zur Pandemie, erkranktes Gesundheitspersonal führen zu einer höheren Krankheitslast durch chronische Erkrankungen  sowie zu Hunger  und Tod an vermeidbaren Erkrankungen. Zu den „indirekten“ Pandemiefolgen, die nach Angaben für jedes Opfer der COVID 19 Pandemie über 100 weitere Todesfälle erwarten läßt, kommen nun auch dir direkten Pandemieeinwirkungen.

Leider wird es auch in in Beira nicht besser …

Im Januar 2021 gab es in Mosambik so viele Covid Fälle in einem Monat wie im gesamten letzten Jahr zusammen. Die südafrikanische Mutation hat Mosambik erreicht und lässt die Infektionszahlen in die Höhe schnellen. Die Folge ist eine Coronawelle, wie sie bisher noch nicht in Mosambik zu beobachten war. Auch wenn die registrierten Todesfälle nicht oder noch nicht das erschreckende Ausmaß wie in Europa erreicht haben, sind die Folgen doch spürbar. Beira beklagt den Tod des sehr engagierten und beliebten Bürgermeisters. Dieser Oppositionspolitiker verkörperte für viele Menschen in Beira die Hoffnung auf mehr Demokratie und Gerechtigkeit.

In der Kinderklinik sind haben sich mehrere ÄrztInnen und Krankenschwestern infiziert. Im Januar waren 30% des Personals der Neugeborenen / Intensivstation krank bzw. in Quarantäne, so dass die Versorgung der kleinsten Patienten noch schwieriger als sonst war und die ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen noch mehr an ihr Limit gerieten. Leider können sie sich während ihrer Arbeit auch nur unzureichend vor Corona schützen. Die Anzahl der zu Verfügung stehenden FFP2 Masken ist so gering, dass jeder nur zwei Masken pro Monat bekommt, jede Maske muss also 14 Tage getragen werden… Zusätzlich für Stress sorgt, dass viele Basismedikamente fehlen, darunter lebensrettende Antibiotika. Der Verein wird über „Aktion Medeor“ eine erste Sendung mit Medikamenten und Masken nach Beira schicken. Eine zweite Sendung ist geplant. Ihre Hilfe dafür ist dringend notwendig!

Hilfe, die ankommt!
Wir sind dankbar, wenn Sie uns helfen zu helfen.

Spendenkonto:
Förderverein Kinderklinik Beira e. V.
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
IBAN: DE35 30060601 000469 7529
BIC: DAAEDEDDXXX

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Spendenaufruf

Liebe Freundinnen und Freunde des Fördervereins,

vermutlich können Sie die Wörter Corona oder COVID 19 weder lesen noch hören, aber auch die Arbeit des Fördervereins ist von der Pandemie geprägt.

Die Menschen in Beira, die noch immer an den Folgen der schweren Verwüstungen durch den Wirbelsturm IDAI 2019 leiden, sind vor allem von den „indirekten Folgen“ der Pandemie betroffen. Die Zahl schwerkranker Kinder ist ebenso wie in Deutschland eher niedrig, wobei es in Mosambik auch nur eingeschränkte Testmöglichkeiten gibt. Aber der wirtschaftliche Lockdown ohne soziale Absicherung, die Verlagerung von Kapazitäten des Gesundheitssystem von der Regelversorgung zur Pandemiebekämpfung und die Angst der Bevölkerung Gesundheitsposten oder Krankenhäuser auf zu suchen, um sich nicht zu infizieren, haben ihre Auswirkungen.

Die UNO rechnet weltweit mit 200.000 zusätzlichen Totgeburten, mit über 55.000 Müttern, die unter der Geburt sterben, und mit über 1,2 Millionen Todesfällen bei Kindern. All dies zusätzlich als „indirekte“ Folgen der Pandemie. Wir stellen wir Ihnen Nilza und Theresa vor, die auch von diesen indirekten Folgen betroffen sind.

Dr. Nercio Liasse, Kinderarzt im Zentralkrankenhaus in Beira, ist sehr besorgt. Internationale Hilfen werden wegen der Korruptionsskandale der Regierung nur teilweise ausgezahlt und die Covid-19 Maßnahmen kosten viel Geld. Für die Kinderheilkunde in Beira bedeutet dies, dass es kaum finanzielle Mittel für Medikamente und Personal gibt. Zurzeit gibt es nur ein intravenös applizierbares Antibiotikum für die Kinder, Entwurmungsmedikamente gibt es nicht, selbst Eisentabletten sind kaum zu bekommen. Ohne die vom Verein finanzierten ÄrztInnen, Krankenschwestern und Reinigungspersonal würde die Kinderheilkunde kaum mehr als eine Notversorgung leisten können.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns weiterhin helfen, dass wir helfen können. Die Spendenquittungen für das Jahr 2020 verschicken wir im Januar 2021.

Hilfe, die ankommt!
Wir sind dankbar, wenn Sie uns helfen zu helfen.

Spendenkonto:
Förderverein Kinderklinik Beira e. V.
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Verzweifelter Hilferuf aus Beira

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Am Anfang der Pandemie stand die Sorge im Vordergrund, dass COVID 19 Infektionen in Mosambik bei dem mangelhaften Gesundheitssystem verheerende Folgen haben könnte. Nun hat ein Lockdown (ohne jegliche soziale Absicherung) für katastrophale Verhältnisse gesorgt. Menschen hungern und verhungern. Ein makaberes Beispiel dafür, dass Lösungen in reichen Ländern nicht automatisch auch Lösungen in armen Ländern darstellen.

Hier ein aktueller Bericht aus Beira:

So wie in vielen Teilen der Erde, so gab es auch in Mosambik und in Beira Menschen die an Covid-19 erkrankt sind und auch verstorben sind. Auch wenn die Zahlen in Mosambik relativ gering sind, soweit verlässliche Daten erhoben werden, so sind die Auswirkungen gravierend:

Es gab einen „Lockdown“ bis Ende Juli, der aber jetzt noch einmal verlängert wurde. Sehr viele Menschen sind arbeitslos, die gesamte Wirtschaft liegt nahezu am Boden. Lehrer und Krankenpfleger bekommen oft erst verspätet und dann nicht das volle Gehalt ausgezahlt. Die Angestellten des Bildungszentrums in Beira bekommen seit einigen Monaten gar kein Gehalt mehr. Die Menschen, die buchstäblich von Hand in den Mund leben und für kleinere Aushilfsarbeiten für geleistete Arbeit bezahlt werden, was in den Randbezirken der Stadt auf die Mehrheit der Menschen zutrifft, gehen ebenfalls seit Monaten gänzlich leer aus. Anna, die Mutter eines der HIV infizierten Kinder, deren psychologische Unterstützung durch die Förderung des Vereins möglich ist, weiß oft nicht, was sie am nächsten Tag ihren Kindern zu essen geben wird. Die Menschen in Beira müssen, nachdem der Wirbelsturm „Idai“ im März 2019 Beira verwüstet hat, jetzt mit der 2. Katastrophe in kurzer Zeit leben. Und es fällt ihnen zunehmend schwer…

Priester Fidel Salazar

Das Ausmaß der Not wird auch in einem Gespräch mit dem Priester Fidel Salazar deutlich. Er berichtet, dass er seit einigen Wochen immer wieder um Geld oder Essen gebeten werde, da man Hunger habe.

In den letzten Jahren des Krieges vor dem Friedensschluss 1992 war das eine täglich zu hörende, „normale“ Klage. Seither wurde aber eher um Unterstützung für eine Ausbildung oder den Bau eines Hauses gebeten, dass Familien im größeren Stil echten Hunger leiden war eine Ausnahme geworden. Im Schlachthof werden nur noch die Hälfte der Hühner geschlachtet, nur wenige können sich noch Fleisch leisten. Der Preis für Grundnahrungsmittel ist in den letzten Wochen in die Höhe geschnellt, die Kosten für Eier und Öl zum Beispiel wurden um die Hälfte gesteigert. Auch uns erreichen immer häufiger, immer verzweifelte Bitten um Unterstützung … Gerade in dieser schweren Phase ist es wichtig, dass der Förderverein ein verlässlicher Partner ist.

Die Ärzte und Schwestern, die vom Verein bezahlt werden, leisten hervorragende Arbeit. Trotz der widrigen Umstände sorgen sie dafür, dass die Schwächsten auch in Zeiten dieser Katastrophen eine ausreichende Versorgung erhalten. Erfreulicherweise gibt es einige Spender*innen, die mit Dauerspenden diese Aufgabe unterstützen. Leider reichen diese regelmäßigen Spenden nicht um alle Ausgaben decken. Außerdem würden wir natürlich gerne akut den aller Bedürftigsten, z.B. den HIV infizierten Kindern aus unserem Projekt „Champions for Life“, Lebensmittel zukommen lassen. Daher bitten wir Sie, erneut für den Förderverein zu spenden, auch wenn wir wissen, dass auch für viele Mitbürger hier in Deutschland die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht leichter geworden sind.

Die gesundheitliche Versorgung der Kinder ist durch die noch nicht behobenen Schäden nach dem Wirbelsturm und die Folgen des Lockdowns eine Herausforderung. Unterernährung führt zu vermehrten Krankheiten und einer erhöhten Kindersterblichkeit. Der Förderverein kann schnell, unbürokratisch und effektiv helfen. Ihre Spende hilft den Kindern in Beira, deren Leid kein Medienecho findet.

Mit herzlichen Grüßen
Dres Annett Pfeiffer, Konrad Steidel, Jan Salzmann

IBAN: DE 35 300 606 01 000 469 7529
Deutsche Apotheker und Ärztebank
BIC: DAAEDEDDXXX

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Covid-19 – Aktuelles aus Beira

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Covid-19 hat die ganze Welt im Griff. Auch hier in Deutschland hat die Pandemie unseren Alltag verändert und leider auch schon vielen Menschen das Leben gekostet. Viele Fachleute warnen vor den Auswirkungen dieser Erkrankung in Afrika. Die ohnehin schon chronisch überlasteten Gesundheitssysteme könnten sehr schnell an ihre Grenzen kommen.

Die Anzahl der positiv getesteten Patienten in Beira und in Mosambik insgesamt ist bisher relativ gering. Es werden aber auch nur verhältnismäßig wenig Menschen getestet. Aber auch eine deutliche Zunahme von schweren Lungenentzündungen wurde in Beira bisher nicht beobachtet. Diese Entwicklung werden wir weiter kritisch beobachten.

Gleichwohl gab es auch in Mosambik einen sog. „shutdown“. Es wurde, so gut es geht, das gesamte wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben auf ein Mindestmaß zurückgefahren. Dies hat dort sofort massive negative Auswirkungen gezeigt. Es gibt natürlich kein „Kurzarbeitergeld“ und Ersparnisse haben auch nur ganz wenige Menschen. Ein Jahr nach dem verheerenden Wirbelsturm stehen weiterhin viele Familien mit dem Rücken zur Wand, weil ihnen das Nötigste zum Leben fehlt. Ohne Einnahmen haben etliche Mosambikaner kein Geld für Grundnahrungsmittel. Das bedeutet für viele Menschen, dass sie Hunger leiden müssen.

Junge mosambikanische Ärzte haben in Beira eine Initiative „SOS Covid“ zur Unterstützung der Ärmsten gestartet. Dr. Abilito Pintainho ruft alle, die können auf, Bedürftigen in den Armenvierteln Beiras zu helfen. Es soll den Familien ein Hilfspaket mit folgendem Inhalt zukommen: Reis, Maismehl, Nudeln, Öl, Zucker, Salz, Bohnen und Seife. Der Inhalt eines Pakets entspricht ca. 7,50 Euro. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt mindestens 100 Hilfspakete pro Monat zu finanzieren. Sehr gerne würde wir, wie auch nach dem Wirbelsturm Idai wieder HIV infizierten Kindern und ihren Familien ebenfalls eine Hilfe zukommen lassen. 

Hierfür bitten wir um Ihre Unterstützung und bedanken uns ganz herzlich im Namen unserer mosambikanischen Freunde. Auch eine kleine Spende wird große Wirkung haben!

Uns ist bewusst, dass im Moment auch in Deutschland viele Menschen Probleme haben und einige dringend Unterstützung brauchen. Gleichzeitig möchten wir, dass die Menschen in Mosambik nicht vergessen werden.

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Covid 19 – Über die Situation in Beira

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Experten warnen davor, dass sie die Auswirkungen auf Länder mit niedrigem Einkommen, die schlechte Gesundheitsdienste haben, „die schnell überfordert sein werden“, möglicherweise unterschätzen. Sie geben zu, dass für arme Länder die allgemeinen sozialen und wirtschaftlichen Kosten der Unterdrückung der Übertragung sehr hoch sein werden. Der einzige Weg, um ein Versagen des Gesundheitssystems und massive Todesfälle zu verhindern, ist „schnelles, entschlossenes und kollektives Handeln“.

Wie wir alle wissen besteht die einzige Möglichkeit, das Schlimmste zu verhindern darin, dass Menschen mit der Krankheit andere infizieren. Das bedeutet, soziale Kontakte schnell zu reduzieren – und zu testen, diejenigen mit der Krankheit zu isolieren und Kontakte zu verfolgen.

Ein neuer Bericht listet Modellergebnisse für verschiedene Länder auf, einschließlich Mosambik. Es berücksichtigt die Weltbank und andere Daten zu Einkommen, Gesundheitswesen, Altersprofilen, Familiengröße usw. Es erkennt auch an, dass der soziale Kontakt zwischen den Ländern unterschiedlich ist. Das Modell untersucht die Krankheit in den nächsten 250 Tagen. Computermodelle sind keine präzisen Vorhersagen und enthalten immer Annahmen. In diesem Modell basieren sie auf Erfahrungen, die bisher aus China und Europa stammen, und können daher für Afrika unterschiedlich sein.

Die Zahlen sind erschreckend. Wenn die Regierung nichts unternimmt, werden zwischen 61.000 und 65.000 Mosambikaner sterben. 94% der Bevölkerung werden an der Krankheit erkranken und auf dem Höhepunkt werden 190.000 Krankenhausbetten benötigen, von denen 32.000 eine Intensivpflege benötigen, die weit über die Kapazität des Gesundheitswesens hinausgeht.

Durch die Reduzierung der sozialen Kontakte um 45% wird die Infektionsrate auf 63% der Bevölkerung gesenkt, die Zahl der Todesfälle sinkt jedoch nur auf 48.000.

Wenn die Regierung zur Unterdrückung übergeht, um die sozialen Kontakte um 75% zu kürzen (Isolation oder Sperrung für die meisten Familien), aber zu lange wartet (bis es 500 Todesfälle pro Woche gibt), werden 37% der Bevölkerung infiziert, 30.000 Mosambikaner sterben und erreichen ihren Höhepunkt Die Krankenhausnachfrage wird 84.000 betragen.

Eine erfolgreiche Antwort kommt nur, wenn die Regierung schnell zur Unterdrückung übergeht und nur 63 Todesfälle pro Woche verzeichnet. Das Modell geht davon aus, dass nur 11% der Bevölkerung infiziert wären, 9000 Menschen sterben würden (im Vergleich zu über 60.000, wenn nichts unternommen wird) und die höchste Krankenhausnachfrage bei 19.000 Patienten liegen würde, von denen 3500 eine kritische Versorgung benötigen würden.

Südafrika hat mit 927 Fällen und 2 Todesfällen letzte Nacht ab Mitternacht eine dreiwöchige Sperrung verhängt. Jeder muss zu Hause bleiben. Das Einkaufen ist auf Nahrungsmittel und andere wichtige Dinge beschränkt (Verkauf von Alkohol und Zigaretten verboten) und die Menschen dürfen nicht einmal Sport treiben oder mit dem Hund spazieren gehen. Mindestens 23.000 Mosambikaner, darunter viele Minenarbeiter, mussten in den letzten Tagen aus Südafrika nach Mosambik zurückkehren. Einige sind wahrscheinlich infiziert und geben die Krankheit an ihre Freunde und Familie weiter.

Eine rasche Sperrung im südafrikanischen Stil würde Mosambik große Probleme bereiten. Die meisten Menschen sind arm und haben wenig Geld und haben nicht einmal Seife und fließendes Wasser. Aber Frelimo (Regierungspartei) hat eine lange Geschichte in der Organisation einer solch massiven Operation.

(Quelle: MOZAMBIQUE 476, News reports & clippings, 27 March 2020; Editor: Joseph Hanlon)

Unsere Kontakte in Beira berichten folgendes:

Dr. Maria Semedo, Koordinatorin des HIV und Genderprogramm der katholischen Universität von Mosambik:

Der Staat versucht, präventive Maßnahmen zu ergreifen. Schulen und Universitäten sind seit einer Woche geschlossen. Es wird über internetbasierten Unterricht zu mindestens an den Universitäten nachgedacht. Allerdings ist das Internet schon jetzt völlig überlastet. (Auch unser Gespräch wird immer wieder unterbrochen und kann nicht zu Ende geführt werden). Große Menschenansammlungen sollen vermieden werden, so dürfen keine Beerdigungszeremonien mehr stattfinden (zu denen sich sonst oft hundert oder mehr Menschen versammeln). Allerdings stehen die Menschen in langen, dichtgedrängten Schlangen vor Lebensmittelgeschäften an, um das notwendige zu kaufen, was sie sich noch leisten können. Schon jetzt, bevor der erste Coronafall in Beira diagnostiziert wurde, sind die Preise enorm angestiegen. Seife und Desinfektionsmittel sind ausverkauft und werden zu horrenden Preisen auf dem Schwarzmarkt verkauft. Dichtes Gedränge beobachtet man nicht nur vor Geschäften, auch auf den Märkten und in den öffentlichen Bussen hat sich an diesem typischen Zustand noch nichts geändert.

Suzana Chacuamba, Assistenzärztin in der Kinderklinik Beira

Im Zentralkrankenhaus funktioniert der Betrieb fast noch unter normalen Bedingungen. In der Kinderklinik wurden erste Veränderungen der Arbeitsweise vorgenommen.  Es werden alle Kinder der Notaufnahme sofort von einem Arzt beurteilt und die Kinder, die unbedingt aufgenommen werden müssen, werden in einen speziellen Bereich der Notaufnahme weitergeleitet, alle anderen werden schnellstmöglich mit Medikamenten versorgt und nach Hause geschickt.  Der Parkplatz vor der Klinik wurde zu einer Wartezone umfunktioniert, so dass ein größerer Abstand zwischen den Wartenden gewährleistet werden kann. Ab Montag werden weitere verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. Dann werden die besuche der kranken extrem eingeschränkt, nur noch eine Person darf dem Patienten zweimal am Tag Essen bringen. Alle elektiven chirurgischen Maßnahmen werden abgesagt und alle Sprechstunden ebenfalls, es wird nur noch eine Notfallversorgung stattfinden.

Die Ärzte und Pflegekräfte machen sich große Sorgen, weil nicht genügend Masken und Schutzmittel vor Ort sind. Sie fürchten, die eigene Familie anzustecken.

Patienten sind ebenfalls stark verunsichert, es kursieren viele fake news. So wurde z.B. in den sozialen Netzwerken verbreitet, dass einige Ärzte infiziert sind, aber dennoch arbeiten.  Viele haben Angst ins Krankenhaus zu kommen, weil man denkt, dass man dort angesteckt wird. Stigmatisierung ist schon jetzt ein Problem. So trug eine Mutter eine Maske weil sie an  Tuberkulose erkrankt ist, was ein völlig normales Vorgehen im Zentralkrankenhaus ist. Dies führte jedoch dazu, dass andere Mütter der Säuglingsstation gegen auf eigene Faust das Krankenhaus fluchtartig verließen. Darunter war auch eine Mutter deren Kind kontinuierlich Sauerstoff brauchte…

Insgesamt scheinen die Menschen vor allem Angst vor dem Hospital zu haben. Auf der Straße läuft das Leben vorerst unverändert weiter. Die Regierung verbreitet Information und bittet die Menschen soziale Kontakte zu limitieren, es fahren Lastwagen mit Lautsprechern durch die Straßen, über die Information verlautbart wird, Radio und Fernsehen berichten fast ununterbrochen. Zu mindestens in der Stadt wissen die Menschen über Covid 18 Bescheid.

Im Krankenhaus wird dringend Hilfe benötigt, Gelder für zusätzliches Personal, Desinfektionsmittel, Schutzkleidung und Nahrungsmittel.

Lassen Sie uns die Menschen in Beira nicht vergessen – vielen Dank!


Spendenkonto:

Förderverein Kinderklinik Beira e. V.
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
IBAN: DE35 30060601 000469 7529
BIC: DAAEDEDDXXX

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Ein Jahr nach IDAI – Die Menschen im mosambikanischen Beira sind noch Lichtjahre von Normalität entfernt

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Vor einem Jahr wurde die Millionenstadt Beira über Nacht zu einer „Stadt ohne Dächer“, etwa Tausend  Menschen fanden den Tod, große Teile des Krankenhauses, das seit über 20 Jahren von dem Aachener Förderverein Kinderklinik Beira unterstützt wird, lagen in Trümmern. Der Wirbelsturm IDAI hat unsägliches Leid verursacht, aber auch eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft und der Solidarität bewirkt. Gerade die Menschen, die durchschnittlich 0,4 Tonnen CO2 Verbrauchen (Deutschland 9,4) bekamen den Klimawandel so sehr zu spüren.

Über 150.000 Euro spendete die Aachener Bevölkerung für die akute Überlebenshilfe und Aufbaumaßnahmen. Zunächst wurde überwiegend Nahrungsmittelhilfe geleistet, später Personalunterstützung in Kinderklinik und Waisenheim sowie bauliche Aufbaumaßnahmen.

Dr. Amir Seni, Direktor der Abteilung für Kinderheilkunde im Zentralkrankenhaus in Beira schreibt im März 2020 an den Förderverein. “Obwohl für Beira erhebliche internationale Hilfe geleistet wurde, erhielt das Zentralkrankenhaus in der Praxis keine Hilfe. Das war besonders hart für uns, da wir als Referenzkrankenhaus, unzählige Patienten zugewiesen bekamen und, obwohl die Strukturen beschädigt waren, die Aktivitäten nicht unterbrachen. Wir erhielten kein zusätzliches Personal. Pflegende und Ärzte leisteten Unglaubliches, kümmerten sich mit Professionalität und Empathie um die Leidenden, und das obwohl viele selber kein Dach mehr über dem Kopf hatten und selber auch unter der Lebensmittelknappheit, die während der ersten Wochen nach Idai in Beira herrschte, litten. Die Bemühungen des Fördervereins wurden mit größter Erleichterung aufgenommen. Mit Hilfe des Vereins konnten wir dringend erforderliches Pflege- und Reinigungspersonal einstellen. Keine andere Organisation, nichtstaatlich oder anderweitig, erkannte diese Notwendigkeit!“

 „IDAI ist aber nur ein Teil der Katastrophe Mosambiks. Die bittere Armut, die den Kinder des Landes (2/3 der Bevölkerung ist unter 24 Jahre alt) Nahrung, sauberes Wasser, Bildung zu Zugang zu Medizin versperrt, wird von der eigenen Regierung ignoriert und von der Weltöffentlichkeit ebenfalls. Bei allem Respekt vor dem COVID-19 Virus: Die Tatsache, dass täglich 20.000 Kinder an Hunger oder leicht zu behandelnden Krankheiten stirbt, findet nicht ein Promille der Medienöffentlichkeit wie das neuartige Virus.“ erläutert Dr. Jan Salzmann vom Vorstand des Vereins. Noch immer fehlen in der Kinderklinik und im angegliederten Waisenheim jede Menge Betreuungskräfte. Dauer-und Einzelspenden helfen dem Verein die Not zu lindern.

„Durch den direkten Kontakt zu den Aktiven vor Ort, kann garantiert werden, dass das gespendete Geld in vollem Umfang dort ankommt, wo es am dringlichsten benötigt wird. Spenden sind steuerlich abzugsfähig, da der Verein als gemeinnützigen Zwecken dienend anerkannt ist.“ betont Marika Marliani vom Förderverein.

Gespendet werden kann unter der Kontonummer IBAN: DE35 300 606 01 000 469 7529, BIC: DAAEDEDDXXX, bei der Deutschen Apotheker und Ärztebank Aachen. Nähere Informationen können per mail angefordert werden (jpsalzmann@hotmail.com) oder über die Postadresse des Vereins (Von Pastorstr. 17, 52066 Aachen). Im Internet ist der Verein mit der Homepage www.foerderverein-beira.de vertreten.

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12 Monate nach dem Zyklon Idai …

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Wir geben den Betroffenen eine Stimme

Um den SpenderInnen einen möglichst direkten Kontakt zu den Menschen in Beira zu ermöglichen, möchten wir unseren Partnern vor Ort eine Stimme geben. Die Übersetzungen wurden möglichst originalgetreu gemacht. Wir sind uns bewusst, dass der Stil stellenweise etwas holprig ist und bitten dies zu entschuldigen.

Sie finden Berichte von


Dr. Amir Seni, Direktor der Abteilung für Kinderheilkunde im Zentralkrankenhaus in Beira schreibt am 8.3.2020:

Es ist nun schon 12 Monate her, seit wir vom Zyklon Idai getroffen wurden. Bis jetzt läuft der Wiederaufbau, aber viele Gebäude sind noch schwer beschädigt. In der unmittelbaren Phase nach dem Zyklon war das Zentralkrankenhaus von Beira für 72 h der einzige Ort, an dem Verletzte und Kranke versorgt wurden.  Alle, ambulante Notdienste und stationäre Einrichtungen waren komplett überfordert. Nach der ersten traumatischen Phase von zwei bis drei Wochen kam er erneut zu einem verstärkten Zustrom von Patienten mit Erkrankungen, die Folge der Katastrophe waren, z.B. Cholera, Malaria sowie schwere Fälle von akuter Unterernährung, einschließlich Pellagra. Die Neugeborenstation war durch den Zyklon zerstört worden und wir mussten unsere kleinsten Patienten provisorisch auf einer der Stationen der Allgemeinpädiatrie unterbringen und behandeln.

Es war wirklich eine überwältigende Zeit, in der sowohl das Pflege- als auch das Hilfspersonal einfach nicht ausreichten, um die anfallende Arbeit zu erledigen.

Obwohl für Beira erhebliche internationale Hilfe geleistet wurde, erhielt das Zentralkrankenhaus in der Praxis keine Hilfe. Das war besonders hart für uns, da wir als Referenzkrankenhaus, unzählige Patienten zugewiesen bekamen und, obwohl die Strukturen beschädigt waren, die Aktivitäten nicht unterbrachen. Wir erhielten kein zusätzliches Personal. Pflegende und Ärzte leisteten Unglaubliches, kümmerten sich mit Professionalität und Empathie um die Leidenden, und das obwohl viele selber kein Dach mehr über dem Kopf hatten und selber auch unter der Lebensmittelknappheit, die während der ersten Wochen nach Idai in Beira herrschte, litten.

Die Bemühungen des Fördervereins wurden mit größter Erleichterung aufgenommen. Mit Hilfe des Vereins konnten wir dringend erforderliches Pflege und Reinigungspersonal einstellen. Pflegepersonal und Hilfspersonal waren dringend erforderlich, und keine andere Organisation, nichtstaatlich oder anderweitig, erkannte diese Notwendigkeit! Die Situation auf den Stationen war so, dass eine einzige Reinigungskraft für einen ganzen Flügel von 56 Betten verantwortlich war. Eine einzige Pflegekraft war die Versorgung der Patienten dieser 56 Betten verantwortlich. Bei doppelter Belegung eines Bettes hieß das, dass eine Schwester gut 100 Kinder überwachen und mit Medikamenten versorgen musste, sowie außerdem die Blutentnahmen machen musste. Die Hilfe des Vereins ermöglichte eine Verringerung der Überlastung aller Beteiligten sowie eine wesentliche Verbesserung der Arbeitsmoral und die Aufrechterhaltung der guten Laune, was für die Überwindung der Auswirkungen von Idai von entscheidender Bedeutung war. Der Förderverein der Kinderklinik Beira war die einzige Organisation, mit Erfahrungen mit der Funktionsweise des Gesundheitssystems in Beira erkannte und aktiv nachfragte, was unserer Meinung nach eine Priorität war. In diesem Zusammenhang möchte ich auch den Ersatz der durch Idai ruinierten Ultraschallsonden erwähnen. Gerade jetzt, wo unser Labor und die Röntgenabteilung nur eingeschränkt funktioniert, ist gute Ultraschalldiagnostik oft das einzig hilfreiche diagnostische Mittel, das wir haben.

Wir sind auch sehr dankbar, dass das Waschhaus, in dem die Eltern die Kleidung unserer Patienten waschen, renoviert wird und freuen uns auf die baldige Fertigstellung des Waschhauses!

Es sind nun 12 Monate vergangen, aber der Wiederaufbau ist noch nicht abgeschlossen, und das Leben hat sich noch nicht wieder normalisiert. Die Hygiene hat sich nicht verbessert, die Regenzeit dauert an und mit ihr sind eine Zunahme von Fällen von Malaria, Durchfall sowie Lungenentzündung und schwerer akuter Unterernährung besorgniserregend geworden, da die Instabilität der Lebensmittel immer noch andauert und immer noch Fälle von Pellagra diagnostiziert werden.

Als Abteilungsleiter möchte ich dem Förderverein für die fortlaufende Unterstützung danken und auch besonders dafür danken, dass Sie uns vertrauen und genau hinhören, was wirklich unsere spezifischen Wünsche sind.


Sr Zaida Alfonso, Kinderkrankenschwester

Ich bin sehr glücklich, dass ich in den Monaten
nach Idai zusätzliche Schichten arbeiten konnte,
um so mein Gehalt aufzubessern. Meine Eltern
haben alles verloren, sie wussten nicht, wo sie
leben und schlafen sollten. Mit meinem Geld
konnte ich ein kleines Häuschen mit zwei kleinen
Zimmern für sie bauen…


Sr Maria Faria, Kinderkrankenschwester

Idai und der folgende Regen haben mein Bett und
meinen Kühlschrank zerstört. Mit dem zusätzlich
verdienten Geld konnte ich mir ein neues Bett und
einen neuen Gefrierschrank kaufen und konnte
sogar noch meine Eltern und Großeltern etwas
unterstützen…


Über private Kontakte zu einem Priester konnte schnell und effizient geholfen werden:

Mit Hilfe des Vereins wurden 250 – 270 ältere Menschen, schwangeren Frauen und Kindern vier Tage die Woche über neun Monate mit warmen Essen versorgt, insgesamt wurden ca. 42.923 Gerichte ausgeteilt. Die Mahlzeiten wurden im Hof der Kirchengemeinde von drei jungen Erwachsenen, die eine kleine Aufwandsentschädigung erhielten, und mehreren Freiwilligen, die bei der Lieferung des Essens halfen, gekocht und verteilt. Mit Hilfe des verdienten Geldes konnten die Köche ihre Häuser wiederaufbauen. Jetzt wollen sie einen kleinen Imbiss starten, um für ihre Familien zu sorgen.

Außerdem erhielt eine Gruppe von 20 bis 30 Kindern im Alter von 2 bis 6 Jahren jeden Tag Essen und Schulbildung in einer kleinen Schule der Mission. Weiterhin wurden vier Häuser gebaut und zehn Häuser saniert und einige andere kleine Hilfen für andere Familien geleistet, zum Beispiel ein Fahrrad gekauft.

Der Priester Fidel Salazar del Muro schrieb an uns:

Liebe Freunde “Förderverein Kinderklinik Beira”

Liebe Freunde, einem Jahr nach IDAI, möchte ich im Namen aller Menschen, die von Ihrer Solidarität und Hilfe profitiert haben, Ihnen für Ihre Großzügigkeit danken.

Vor einem Jahr fegte der Zyklon IDAI mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 km / h über die Stadt Beira, starke Regenfälle folgten, zwei bis drei Wochen erlebten wir nur Regen und keine Sonne.

Durch diese Erfahrung fühlten wir uns klein und zerbrechlich angesichts der unkontrollierten Naturgewalt. Wir fühlten uns ohnmächtig und hilflos gegenüber der Stärke der Winde und der Intensität des Regens.

Wir haben Zeit damit verbracht, die durch den Zyklon verursachten Trümmer zu „bewundern“. Bäume, die unantastbar zu sein schienen, standen entwurzelt auf dem Boden. Zerstörte Häuser, die Gebäude, die mit jahrelange Anstrengung nach dem Krieg erbaut wurden, der Traum von einem eigenen Haus, heute war plötzlich alles am Boden zerstört. Tausende Häuser ohne Dach. Wege, die es plötzlich nicht mehr gab, umgestürzte Bäume, Äste und Schlamm dort, wo vorher ein Weg war…

Tausende Kokospalmen mit ihren großen Blättern, die zu „weinen“ schienen, verbrannt von der Kraft des Windes. Durch umgefallene Strompfosten drohen Kurzschlüsse, Kabel überall… Das Meer wollte sich die Straßen der Stadt erobern. Menschen, die nicht wissen, wohin sie gehen sollen, auf der Suche nach einer Zuflucht, um sich zu verstecken, um etwas zu essen zu finden, um Feuerholz zu suchen… Angesichts dieser Szenarien, fragen sich die Menschen, wem sie die Schuld geben müssen. Gott? Der Regierung? Uns selbst? Anderen?

Wir hatten Zeit, über unser Schicksal zu klagen. Wir hatten Zeit, zu weinen, zu teilen, unsere Überlebensgeschichten zu hören, nach einer Erklärung zu suchen, die uns trösten und uns helfen könnte, von vorne zu beginnen, zu teilen. Wir haben „die Zeit der Trauer“ überwunden und unsere Ärmel hochgekrempelt, um die Dinge wieder an ihren Platz zu bringen. Es stellt sich die Frage, wo wir anfangen sollen.

Wir haben es dann wie folgt gemacht / gedacht:

Erstens

Wege freimachen, schnell wiederherstellen, was uns helfen kann. Besonders auf die am stärksten gefährdeten Menschen ein Augenmerk richten:  Kinder, ältere Menschen, schwangere Frauen…

Zweitens

Um Hilfe bitten, Ressourcen suchen… Gott sei Dank, haben Sie unseren Schrei gehört und unsere Not gesehen. Sie haben großzügig mit Ihrer Hilfe reagiert, die wir sofort nutzen, um Sicherheit zu gewährleisten und die Auswirkungen zu minimieren. Ihre Hilfe, Ihre Solidarität helfen uns, unsere Hoffnung wiederzugewinnen und zu glauben, dass wir aufstehen und neu anfangen können. Ihre Hilfe und Solidarität, die in Ihrem Mitgefühl und den finanziellen Mitteln, die Sie uns geschickt haben, zum Ausdruck kamen, haben uns geholfen, aufzustehen und unser Leben, unsere Familien und unsere Stadt Beira wiederaufzubauen.

Drittens

Berichte, Abrechnungen, Auswertung über das, was getan wurde, was wir erreicht haben, müssen verfasst werden. Pläne müssen gemacht werden über das, was noch zu tun ist, und das ist noch viel. Es gibt noch öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Gesundheitszentren und Häusern, die noch nicht wiederaufgebaut wurden. Die bestellten Felder müssen noch wachsen und es muss weiterhin nach Nahrung zur Selbstversorgung gesucht werden.

Viertens

Diese Situation veranlasst uns, ernsthaft über Klimaveränderungen nachzudenken, die bereits eine Tatsache sind, sie sind keine Prognosen, sie sind eine Realität, sie sind keine „Filme“, in denen wir mit Hintergrundmusik das Ende schaffen können, und eine Realität, in der konkrete Menschen mitgerissen wurden Stärke des Windes und des Wassers, wo die Habseligkeiten, die mit der Anstrengung eines Lebens erworbenen Vermögenswerte vor Ort sind. Noch heute, nach einem Jahr, erleben wir diese Folgen des Zyklons.

Wir müssen erkennen, dass wir Teil des Problems und Teil der Lösung sind. Das muss uns klar sein. Wir haben bereits die Grenze der Widerstandsfähigkeit der Erde erreicht.

Und abschließend

Wir danken Ihnen aufrichtig und von Herzen für ihr Engagement für uns.

Wir danken Ihnen, indem wir uns dazu verpflichten, kleine Dinge zu tun und schädliche Gewohnheiten zu ändern, keine Bäume mehr zu fällen ohne Wiederaufforstungsplan…

In den kleinen Aktionen der Veränderungen in Bezug auf „Mutter Natur“ danken wir Ihnen.

Pater Fidel Salazar del Muro
Missionar von Afrika
Beira, 02-03-2020

Um eine möglichst authentische Stimme zu Wort kommen zu lassen wurde der Brief möglichst wortgetreu übersetzt und nur leicht gekürzt, weshalb das Deutsch an mehreren Stellen etwas holprig klingt. Vielen Dank für Ihr Verständnis. 


Dr Armando Macotore, Arzt im Hospital Central da Beira und HIV – Aktivist, sagte in einem kurzen Telefoninterview:

Sofort nach Idai, hat der Förderverein dort geholfen, wo es dringend war:

Für das Waisenhaus wurden zunächst Nahrungsmittel gekauft, als dies von anderen Hilfsorganisationen übernommen wurde, wurde dringend notwendige Medikamente und Reinigungsmittel und Hygieneartikel erworben. Außerdem wurde das Team des Waisenhauses um mit zwei Ärzte und eine weitere Krankenschwester ergänzt, so dass die vielen kleinen Kinder, die neu hinzukamen und oft krank waren, sofort vor Ort medizinisch betreut werden konnten. Dadurch konnten viele Krankenhausaufenthalte und sicher auch manchmal der drohende Tod verhindert werden.

Sehr wichtig fand ich auch die Verteilung von Lebensmitteln an die HIV-positiven Kinder, die schon lange von einer psychosozialen und spirituellen Unterstützung durch den Verein finanziert, profitieren. Diesen Kindern, die wir Aktivisten gut kennen, direkt helfen zu können war wunderbar…

Und wirklich war es nur mit Hilfe des Vereins möglich eine qualitativ akzeptable Versorgung der Kinder in der Kinderklinik, besonders in der Notaufnahme zu gewährleisten. Ohne die zusätzlich arbeitenden Pflegekräfte und Ärztinnen wäre das Chaos perfekt gewesen… die internationalen Hilfsorganisationen haben im Gesundheitssektor die Arbeit außerhalb des Zentralkrankenhauses unterstützt, aber wenn die Patienten das Krankenhaus erreicht hatten, waren dort nur die lokalen Arbeitskräfte, und die sind ja schon im Normalfall eher überlastet…

Lobenswert ist, wie unbürokratisch der Verein hilft – vielen Dank!


Paula Salgado, Direktorin des Waisenhauses

Die Hilfe des Fördervereins hat maßgeblich zur Genesung vieler Kinder, die im Waisenheim lebten und der, die nach dem Zyklon neu zu uns kamen, weil sie ihre Familien in den Wirren von Idai verloren hatten, beigetragen.

Dr. Annett und Dr. Konrad arbeiten seit 2005 bis heute mit uns zusammen, um die Gesundheitsversorgung der von uns betreuten Kinder zu verbessern. Sie wissen, was uns fehlt… so bekamen wir schnell Hilfe, Nahrungsmittel, Medikamente und vor allem auch Personal…

Diese Partnerschaft mit dem Waisenheim hat die für das Leben dieser Kinder erforderlichen Fachkräfte erheblich empowert und eine stärkere Interaktion mit der pädiatrischen Abteilung des Zentralkrankenhauses geschaffen.  Das war und ist sehr wichtig für uns alle hier im Waisenheim…

Herzlichen Dank!!!


Der Wirbelsturm IDAI hat unsägliches Leid verursacht, aber auch eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft und der Solidarität bewirkt. Gerade die Menschen, die durchschnittlich 0,4 Tonnen CO2 Verbrauchen (Deutschland 9,4) bekommen den Klimawandel so sehr zu spüren.

IDAI ist aber nur ein Teil der Katastrophe Mosambiks. Die bittere Armut, die den Kindern des Landes (2/3 der Bevölkerung ist unter 24 Jahre alt) Nahrung, sauberes Wasser, Bildung zu Zugang zu Medizin versperrt, wird von der eigenen Regierung ignoriert und von der Weltöffentlichkeit ebenfalls. Bei allem Respekt vor dem CONVID 19 Virus: Die Tatsache, dass täglich 20.000 Kinder an Hunger oder leicht zu behandelnden Krankheiten stirbt, findet nicht ein Promille der Medienöffentlichkeit wie das neuartige Virus.

Herzlichen Dank an alle Spenderinnen und Spender

Annett Pfeiffer / Konrad Steidel / Jan Salzmann

12 Monate nach dem Zyklon Idai … Wir geben den Betroffenen eine Stimme (Als PDF zum Download)

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